Billiges bio - Ernüchterung bei den Biobauern

Wer heutzutage Bioware einkaufen will, der findet die inzwischen in jedem Supermarkt. Die Preise sind für jeden erschwinglich. Bei den Biobauern dagegen stimmt das Verhältnis zwischen Arbeit und Ertrag schon lange nicht mehr. Friedbert Schill aus March (http://www.schill-hof.de) geht daher neue Wege.

Biobauern: Steigende Kosten und sinkende Preise

Bioobst und -gemüse boomt und wird allseits gepriesen. Viele der deutschen Landwirte, die ihre Höfe umgestellt haben, stecken allerdings in der Krise.

Bio-Gemüse ist gefragt wie noch nie. Weit über sieben Milliarden Euro geben die Deutschen im Jahr für Bio-Produkte aus. Kaum eine Lebensmittelbranche wächst so rasant. Doch von diesem Wachstum profitieren deutsche Öko-Bauern wenig. Die Bio-Landwirtschaft in Deutschland steckt in der Krise.

Zurück zur konventionellen Milch
Wir sind im Ostallgäu bei Paul Burkhart. Jahrelang war er Bio-Landwirt. Doch seit Anfang 2014 bekommen seine Milchkühe wieder konventionelles Kraftfutter. Bauer Burkhart hat Bio den Rücken gekehrt. Als er vor Jahren auf ökologische Landwirtschaft umstellte, war der Preis für Biomilch deutlich höher als der für konventionelle. Doch dieser Preisunterschied ist mittlerweile geschrumpft. Zu stark, um die höheren Kosten für Bio-Landwirtschaft wettzumachen. Der vierfache Familienvater zog die Notbremse. Für ihn zählt Wirtschaftlichkeit.

Schlechte Chancen für die Agrarwende?
So geht es vielen Landwirten. Im Schnitt geben jährlich gut 600 Bio-Höfe auf, mehr als zwei Drittel stellen wieder auf konventionelle Landwirtschaft um. Dabei sollten durch die Agrarwende mehr Bauern zu Bio-Landwirten werden, die Öko-Anbaufläche auf 20 Prozent wachsen, so das Ziel der Bundesregierung. Tatsächlich sind es gerade einmal gut 6 Prozent.

Die Bio-Landwirtschaft wird für Bauern unattraktiver, sagt der Agrarwissenschaftler Ulrich Köpke, Universität Bonn. Die Erzeugerpreise in der konventionellen Landwirtschaft seien stabiler geworden, auf höherem Niveau. Deshalb nehme der Anreiz zur Umstellung ab.

Das liegt auch daran, dass Bio-Bauern unter starken Preisdruck geraten sind. Seit Supermärkte und Discounter auf dem Markt mitmischen, werden die Preise für Bio-Produkte gedrückt, die Kosten für die Bauern bleiben jedoch hoch. Deswegen kommt immer mehr Bioware aus dem Ausland, weil sie dort billiger produziert werden kann.

Öko-Landwirt Andrzej Kurant produziert Obst und Gemüse für deutsche Supermärkte und Discounter. Nicht nach den strengen Richtlinien deutscher Ökoverbände, aber für das EU-Bio-Siegel reicht es. Und Deutschland ist sein größter Absatzmarkt.

Bio-Landwirtschaft ist personalintensiv - aber Kurant und seine Kollegen haben deutlich niedrigere Lohnkosten als deutsche Bio-Bauern und können so günstig produzieren.

Die polnischen Ökobauern kommen zudem günstig an große Ackerflächen, können entsprechend immer mehr produzieren.

Wir sind auf der schwäbischen Alb auf dem Biohof von Tanja Holzschuh. Mit ihrem Mann hält sie hier Milchkühe, baut auch Getreide und Gemüse an. Um zu wachsen, bräuchte sie mehr Flächen. Doch die kann sie sich nicht leisten. Die Pachtpreise seien in den vergangenen zehn Jahren um das Dreifache gestiegen, erklärt die Biobäuerin. Das könne sie nicht ausgleichen.

Ein Grund für die steigende Pacht: Die massive staatliche Subventionierung von Biogasanlagen. Deswegen ist es äußerst lukrativ, Nutzpflanzen wie Mais anzubauen. Die werden für Biogas verwendet. Mehr und mehr Ackerboden wird dafür genutzt - zulasten der Bio-Landwirtschaft, die auf Flächen angewiesen ist. Biogas-Bauern können offenbar höhere Pachtpreise bezahlen. Wenn die jetzigen Pachtverträge von Tanja Holzschuh auslaufen, könnte sie sogar Äcker verlieren.

Billig-Konkurrenz aus dem Ausland, teure Ackerflächen, hohe Kosten - so droht die Agrarwende in Deutschland zu scheitern.

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